„Man kommt heim und denkt, man hat geträumt“

30 Jahre Schwarzwälder Hof: Ein Interview mit Unternehmensgründer und Seniorchef Robert Schwörer

Was 1996 mit einem kleinen Campingplatz im Schwarzwald begann, ist heute eines der führenden Ferienparadiese Deutschlands. 

Robert Schwörer hat mit viel Pioniergeist, Mut zum Risiko und klarer Vorstellung aus dem Nichts eine riesige Ferienanlage geschaffen. Mit Campingplatz, Naturstammhäusern, Landhotel, Restaurant, Wellnessoase, Ferienwohnungen und dem 2022 eröffneten Baumhaus Dörfle wurde ein Betrieb aufgebaut, der weit über die Region hinausstrahlt.

Im Gespräch blickt der Unternehmer zurück – auf Herausforderungen, Herzensprojekte und den Mut, immer einen Schritt voraus zu sein.

Interview Robert Schwörer
Interview Robert Schwörer

„Ich hatte nicht wirklich Ahnung vom Camping – aber eine Idee.“

Herr Schwörer, wenn Sie heute auf 30 Jahre Schwarzwälder Hof zurückblicken: Was ist das erste Bild, das Ihnen in den Sinn kommt?

Das Erste, was mir in den Sinn kommt, ist, dass ich mir diese Entwicklung am Anfang nie hätte träumen lassen. Und ich sehe ein Projekt, das gewachsen ist wie ein Baum: Stück für Stück, mit jedem Ast, jedem Ring, jeder Jahreszeit, entstanden aus einem Wunsch.

Ein Ferienbetrieb in einem so ruhigen Tal wie dem Schuttertal – das war ja damals kein touristischer Hotspot. Aber genau das war der Anstoß. Im Gemeinderat wurde Anfang der neunziger Jahre darüber diskutiert, wie man den Tourismus stärken könnte. Schließlich war Seelbach Luftkurort – aber Übernachtungsmöglichkeiten gab es kaum. Und so kam erstmals die Idee eines Campingplatzes ins Spiel.

Wie kam es konkret zu Ihrer Entscheidung, aus der Landwirtschaft auszusteigen und einen Campingplatz zu eröffnen?

Ein Nachbar, der ehemalige Gemeinderat Nikolaus Munz, kam auf mich zu und meinte: „Das wäre doch was für dich.“ Und je mehr ich darüber nachdachte, desto sympathischer wurde mir die Idee. Zunächst wollte ich den Platz auf eigenem Gelände im Nebenerwerb betreiben. 

Doch schnell wurde klar: Die behördlichen Anforderungen – Straßen, Wasser, Strom – ließen das dort nicht zu. In wirtschaftlicher Hinsicht war auch die fehlende Nähe zum Ort ein Aspekt. Wir suchten also einen geeigneteren Standort und fanden schließlich den heutigen Platz. Nur: Das Grundstück gehörte mir nicht. Nach langen Verhandlungen konnte ich es jedoch per Erbpacht übernehmen.

Wie aufwendig war der Weg zur Genehmigung?

Extrem! Ich musste durch ein Genehmigungsverfahren mit Beteiligung von über 25 Behörden. Das zog sich über Jahre. Überraschend kam dann die Stadt Lahr auf mich zu – der Betreiber des dortigen Campingplatzes „am Walkenbuck“ hörte auf, und man bot mir an, den Betrieb zumindest vorübergehend zu übernehmen.

Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Ahnung vom Campen, wie denn auch, ich selbst war damals noch nie im Urlaub gewesen. Auch der Umgang mit Gästen war komplettes Neuland für mich. Aber ich nahm das Angebot trotzdem an – und nebenbei lief ja immer noch unsere Landwirtschaft mit Milchkühen und Erdbeeranbau.

Und dann kam 1995 der Moment, an dem Sie in Seelbach selbst losgelegt haben?

Genau. Das Grundstück war erworben, die Pläne erstellt und endlich auch alles genehmigt. Ich kaufte mir also einen Bagger – und stand allein auf weiter Flur. Ich begann mit Maßband und Nivelliergerät und modellierte den Platz dort, wo ein Jahr zuvor noch ein Maisfeld war. Mein damaliger Architekt hatte große Bedenken, ob das mit dem “Bauer und dem Bagger“ gut gehen würde. Und damit war er nicht allein. 

Viele dachten: „Der spinnt – in zwei Jahren ist der Spuk spätestens vorbei.“ Aber ich hatte einen konkreten Plan – und habe ihn Stück für Stück umgesetzt.

„Die Bank hat mich für verrückt erklärt – also habe ich vieles selbst gemacht.““

Wie gestaltete sich die Finanzierung Ihrer Pläne?

Zu Anfangs nicht besonders ermutigend. Mein Bankberater sagte: „Herr Schwörer, das ist nicht nur eine, sondern zwei bis drei Nummern zu groß für Sie.“ Das Ergebnis war, dass zwei Drittel der beantragten Mittel zur Finanzierung gestrichen wurden. 

Also haben wir umgeplant: Sanitäranlagen als Containerlösung, viel in Eigenleistung, keine externen Firmen. Wir mussten beweisen, dass es auch mit reduziertem Budget geht. Und das gelang: Oft haben wir sogar günstiger gebaut als die Bank kalkuliert hatte!

„Die Spanier im Schlamm – und die Geburt der Naturstammhäuser“

Und 1996 ging es dann tatsächlich los?

Ja, endlich. Am 29. März 1996 – es war Ostern – eröffneten wir mit rund 100 Stellplätzen. Das war ein ganz besonderer Moment. Aber klar war auch: Es sollte erst der Anfang sein. Noch während der damaligen ersten Saison begann ich mit dem Ausbau des zweiten Platzteils.

Gab es in der Anfangszeit ein Erlebnis, das Sie besonders geprägt hat?

Ja, eines ganz sicher. Es war im Jahr 1997, wir hatten gerade den zweiten Platzteil erschlossen, als sich eine große spanische Studentengruppe aus der Gegend um Sevilla ankündigte. Drei Busse, 160 junge Leute – sie wollten den Schwarzwald entdecken – hatten von unserem neuen Campingplatz gehört und beschlossen, bei uns ihr Lager aufzuschlagen.

Das klingt nach einer ungewöhnlichen Herausforderung.

Das war es – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn hinzukam, dass das Wetter verrücktspielte, es hatte nämlich tagelang geregnet. Der Rasen war kaum angewachsen, alles war nass und matschig. Die Spanier kamen mit Zelten – und stellten sie mitten auf das, was eigentlich einmal gepflegte Parzellen werden sollten. 

Es war Chaos pur: Schlamm, Pfützen, nasse Schlafsäcke, improvisierte Wege. Aber wissen Sie was? Die Gruppe war unglaublich gut gelaunt, freundlich, dankbar – sie haben das Abenteuer angenommen und das Beste daraus gemacht.

Und daraus entstand dann die Idee mit den Blockhäusern?

Genau. Nach dem Aufenthalt sprach mich der Reiseleiter an – sehr freundlich, aber auch ehrlich. Er meinte: „Die Zeltlösung ist bei dem Wetter suboptimal. Außerdem sind die Zelte nach einem Jahr bereits hinüber. 

Aber wissen Sie was? Wenn Sie hier feste kleine Hütten hätten, würden wir jedes Jahr wiederkommen.“
Wie er darauf kam? Er hatte beim Vorbeifahren in Kuhbach ein kleines Gartenhaus gesehen – und brachte mich damit auf eine Idee, die zum Wendepunkt wurde: Warum nicht kleine, urige Häuschen zur Verfügung stellen? Passend zur Region, wetterfest und gemütlich.

War das die Geburtsstunde der ersten Naturstammhäuser?

Ja, das war der Startschuss. Ich dachte sofort: Das muss etwas Besonderes werden – keine 08/15-Hütte. Ich wollte etwas, das zum Schwarzwald passt, zu unserem Wald, zu unserer Philosophie. Also entstand die Idee, echte Blockhäuser aus Naturstämmen zu bauen – mit Holz aus unserem eigenen Wald, das wir selbst geschlagen hatten. Massiv, rustikal, authentisch.

Diese drei ersten Hütten waren nicht nur eine Antwort auf das matschige Zeltdesaster – sie waren der Beginn unseres ganz eigenen Stils. Ich wollte immer ein Konzept, das warm, naturnah und ökologisch ist. Heute sind wir, auch was z.B. die Energieversorgung der gesamten Anlage betrifft, bei Solar und Holz angelangt.

Und der Reiseleiter hielt Wort: Die Spanier kamen über Jahre hinweg wieder – und das zu einer Zeit, als wir jeden Gast dringend gebraucht haben. Das war wirtschaftlich ein riesiger Schub für uns.

Was hat diese Episode für Sie persönlich bedeutet?

Für mich war das ein Schlüsselmoment. Ich habe damals gelernt, dass man aus Herausforderungen Chancen machen kann – wenn man offen bleibt. Im Matsch standen, bildlich gesprochen, die Fundamente für das, was den Schwarzwälder Hof heute ausmacht: Dinge selbst anpacken, zuhören, umdenken, umsetzen – und immer ein bisschen mehr wollen als das Naheliegende.

„Wellness mit Weitblick – und der Traum vom großen Naturstammhaus“

Immer noch etwas draufpacken! Unter diese Überschrift darf man dann wohl auch den Bau des großen Naturstammhauses einordnen, das bis heute das Herzstück der Anlage ist.

Das kann man so sagen. Das Gebäude war von langer Hand geplant, schon bei den ersten Konzepten für die Gesamtanlage war das Haupthaus in dieser Form vorgesehen. Für die schlussendliche Realisierung waren jedoch ebenfalls Durchhaltevermögen, Ideenreichtum und wie immer eine gehörige Portion Hartnäckigkeit notwendig. 

Erneut war die Finanzierung schwierig – wir mussten deshalb in einzelnen Bauabschnitten vorgehen. Erst der Rohbau, dann die Gastronomie. Nur mit den in der Folge daraus erzielbaren zusätzlichen Einnahmen konnten wir den Bau des Sanitärbereichs und später den Ausbau der Hotelzimmer realisieren. 2004 kam die Wellnesslandschaft mit Sauna und Hallenbad hinzu – erneut überwiegend in Eigenleistung realisiert.

„Camping ist heute Ganzjahresurlaub – wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

Auch damit hatten Sie, wie schon so oft, das richtige Gespür.

Ja, Camping hat sich mittlerweile zum Ganzjahrestrend entwickelt. Und genau da passte unser Wellness-Angebot perfekt. Die Zahlen bestätigen das eindrucksvoll. Auch in der Nebensaison haben wir heute eine Top-Auslastung. 

Wir haben unsere Übernachtungszahlen in 30 Jahren verzehnfacht – von 15.000 auf rund 150.000 pro Jahr.

„Das Baumhaus Dörfle war mein letztes großes Projekt – und mein größter Stolz.“

Was war rückblickend Ihr persönliches Herzensprojekt?

In jeden Platz, jedes Gebäude und jede Einrichtung haben wir unser Herzblut reingesteckt. Aber das Baumhaus Dörfle, eröffnet 2022, war schon nochmal etwas ganz Besonderes. Die Idee war lange in mir gereift – ein einzigartiges Feriendorf am Ortsrand. Schon die Ankündigung rief überall eine sehr positive Resonanz hervor. 

In Rekordzeit von nur 15 Monaten haben wir es dann auch komplett geplant und gebaut – und übrigens auch komplett selbst finanziert. Das war der Moment, in dem ich wusste: Danach höre ich auf. Noch ein Jahr habe ich den Betrieb weitergeführt, dann 2023 an meine Tochter Christine und meinen Schwiegersohn Marco übergeben.

„Ohne Familie wäre das alles nicht möglich gewesen.“

Das Ferienparadies bleibt also in Familienhand. Wie wichtig war die Unterstützung Ihrer Familie in all den Jahren?

Ganz klar ist: Ohne die Familie und viele treue Helfer hätte ich das niemals geschafft. Meine Frau Elisabeth und meine Kinder Bernd, Christine, Stefanie und Tina waren immer an meiner Seite. 

Mein Bruder Josef hat die gesamte Elektroinstallation und Technik mit geplant und realisiert, über 20 Jahre lang. Und wir haben treue Mitarbeitende wie unseren Koch Uli oder Manuela an der Rezeption, die von Anfang an dabei sind und auf die wir uns immer ganz fest verlassen konnten.

„Veränderung tut gut.“

Ist es Ihnen leichtgefallen, Verantwortung abzugeben?

Keineswegs, gerade am Anfang war das schon schwer. Aber mittlerweile macht es einfach nur Freude, zu sehen, wie sich alles hier unter neuer Leitung weiterentwickelt. Ich hätte z. B. das Mobiliar im Restaurant noch nicht ausgetauscht. Jetzt sehe ich, wie gut die neue Einrichtung passt – und freue mich. 

Auch der neue Salzraum – eine Idee von Marco – ist einfach nur großartig! Genauso wie der sehr gelungene Umbau der Naturstammhäuser. Es ist wirklich wunderbar, zu sehen, dass frische Ideen da sind und funktionieren.

„Wenn das Fernsehen kommt, ist das der Beweis: Wir haben etwas Einzigartiges geschaffen.“

Was erfüllt Sie heute mit besonderem Stolz?

Dass Touristik-Fachleute aus ganz Deutschland – ja, sogar aus dem Ausland – zu uns kommen, um sich inspirieren zu lassen. Dass sich immer wieder Fernsehteams ankündigen und über uns berichten. Dass wir regelmäßig ausgezeichnet werden, z. B. als ADAC-Superplatz.

Es ist die Bemerkung einer unserer Gäste, die einfach alles genau auf den Punkt bringt „Man kommt heim und denkt, man hat geträumt“. In diesem einen Satz stecken für mich die ganzen dreißig Jahre Schwarzwälder Hof drin. Und die Erkenntnis, dass wir vielen Entwicklungen tatsächlich immer einen Schritt voraus waren – und insgesamt nicht viel falsch gemacht haben.

Und was dürfen die Gäste in Zukunft erwarten?

Das dürfen Ihnen Christine und Marco erzählen. Aber ich weiß, dass schon wieder einiges in Planung ist. 

Denn eines ist sicher: Der Schwarzwälder Hof wird immer in Bewegung bleiben.